22. Oktober 2019
von Andreas Gradert
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Café Chrivo


goodnight.at war schon da, ebenso die frühstückerinnnen, und ich freue mich natürlich auch, direkt auf der anderen Straßenseite nun bei mir im Grätzl ein Café zu haben, das ein sehr ordentliches Frühstück und einen ebenso guten Espresso macht – wer mich kennt, weiß, wie wichtig mir der Espresso ist. :-) Weiter →

23. April 2017
von Andreas Gradert
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Musik: HELO

Gestern Nachmittag waren wir im Musikladen in der Linzergasse 58, zum Record Store Day, ausnahmsweise mal nicht zum Einkaufen, sondern zum Konzert von HELO, die sich auf auf Facebook wie folgt vorstellen:

“Eine geniale Soulstimme gepaart mit ausgefeilten Arrangements und der bombastischen Power der Discoära. Das ist HELO.

Nach unzähligen Projekten begaben sich die vier international renommierten Gründungsmitglieder der Band „The Merry Poppins“, wieder in den Proberaum. Frei von Konventionen und stilistischen Vorgaben oder Erwartungshaltungen arbeiteten sie

an einem neuen Programm und erfanden sich darin neu.
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12. April 2017
von Andreas Gradert
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MUSIK: Ines Kolleritsch

In der Ex-Familien-WhatsApp-Gruppe (!) wurde vor einiger Zeit mal ein Link zur einem Video von Ines y David gepostet, das ich mir leider erst viel später angesehen habe, und mich dabei fast um einen großen Genuss gebracht habe. Was für eine Stimme.

Ines, das ist Ines Kolleritsch. Sie ist Sängerin, Komponistin, Pianistin und Bandleaderin, geboren und aufgewachsen in der Südoststeiermark, Österreich. Momentan lebt und arbeitet sie im Zentrum des österreichischen Jazz, in Graz, wo sie sich eine Karriere als freischaffende Musikerin aufbaut. Furchtlos Elemente des Jazz, Pop, Soul und der lateinamerikanischen Musik in ihre Projekte mit einbringend, verbrachte Kolleritsch die letzten vier Jahre damit, sich ein vielfältiges Repertoire aus verschiedenen Musikstilen aufzubauen.

Obgleich sie ihr Jazzgesangsstudium an der Kunstuniversität Graz derzeit pausiert, hat sie ohne weiters die ihr gebotenen Chancen genutzt, Teil der Grazer Kunstszene zu werden. Konstant beeinflusst von internationalen Musikerinnen und Musikern, fiel es ihr leicht, sich aktiv in das Musikgeschehen einzubringen und sich selbst in anderen Bands und musikalischen Projekten wiederzufinden.

Ines begann in sehr jungem Alter ihre musikalischen Fähigkeiten zu entwickeln. Mit klassischen Klavier- und Flötenstunden beginnend war es ihr später möglich, kurze Zeit Tenorsaxophon und Jazzklavier-Unterricht zu nehmen. Sobald sich die Möglichkeit während ihrer Schulzeit ergab, vertiefte sie sich im Chorsingen, wurde aktives Mitglied des Vokalensembles des BG/BRG Leibnitz und begann mit 16 Jahren Jazzgesangsstunden bei Anush Apoyan zu nehmen.

Etwa um dieselbe Zeit begann sie erstmals zu komponieren, formte ihre erste Coverband, The Jazz Busters, und ein Jahr später, im Jahr 2013, begann sie ihr Jazzgesangsstudium bei Dena DeRose. Seitdem hatte sie die Möglichkeit mit renommierten Künstlerinnen und Künstlern zusammenzuarbeiten, unter anderem mit Arrangeur Michael Abene, dem KUG Jazz Orchester,  dem Trompeter Stjepko Gut (Kolleritschs einjährigen Lehrer), dem Gitarristen und Multi-Talent Emiliano Sampaio, dem Trompeter Gerhard Ornig und vielen weiteren.

Alles begann im Herbst 2014…

In diesem Jahr beschloss Ines Kolleritsch die verschiedenen Bands und Projekte ins Leben zu rufen, in denen sie bis heute aktiv und involviert ist und die sie teils leitet. Zusammen mit ihrer Zwillingsschwester und Singer-Songwriterin Kathrin Kolleritsch und drei anderen, engen Freunden gründete sie die Groove-Pop Band KAIKO, die auf Kathrins Kompositionen basiert. In nur zwei Jahren hat die Band in ganz Österreich eine beachtliche Fanbase aufgebaut und hat im Herbst 2016 ihr Debütalbum Brick by Brick veröffentlicht. Im Rahmen dessen war die Band eingeladen in verschiedenen Festivals und Räumlichkeiten aufzutreten, wie beispielsweise das RadioKulturhaus des ORF,  das Acoustic Lakeside Festival und das Picture On Festival.

Es war etwa zur selben Zeit der Entstehung von KAIKO, als Ines das Swing-Jazz und Gypsy-Jazz Quintettt Swingwagon formte. Auf den Straßen von Graz entstanden, besteht Swingwagon heute aus Nikola Vukovic (Trompete), Piotr Lipowicz (Gitarre), David Dresler (Schlagzeug) und Tin Dzaferovic (Kontrabass). Unter ihren vielen bemerkenswerten Erfolgen sind sie seit etwa zwei Jahren die Hausband des Grazer Tanzvereins The Lindy Cats und haben in einigen namhaften Spielorten in Graz, wie dem Schauspielhaus, und Events, wie das Jazzliebe und Move Festival, konzertiert.

Eine weitere große Erfahrung in Ines musikalischer Entwicklung war es, die Möglichkeit zu haben, das zehnköpfige Funk und Soul-Ensemble Super Soul Party Band zusammen mit dem Pianisten und Arrangeur Thilo Seevers zu leiten. Im Herbst 2014 beschlossen die beiden – nach kurzer Zusammenarbeit im Duo – mit neun talentierten, jungen Musikern aus der Grazer Jazzszene ein Ensemble zu starten, das durch eine Gesangs-, Bläser- und Rhythmus-Sektion ihre starke, dynamische Kollaboration reflektierte. Trotz der Kurzlebigkeit des Projekts schafften sie es, einige Konzerte zu spielen, und, das Highlight ihrer einjährigen Existenz, bei der KUG Jazz Redoute im Sommer 2015 aufzutreten.

Das letzte, wenn nicht entscheidende Projekt, das im Herbst 2014 entstand, war Amadeus Vulkan. Beginnend mit dem Wunsch, Ines Kompositionen Live zu performen, waren es Daniel Varga (Saxophon), Piotr Lipowicz (Gitarre) und Matheus Jardim (Schlagzeug), die Ines dazu motivierten, die Band zu gründen. Als später Ivar Roban Krizic (Bass) und David Dresler (Schlagzeug) dazustießen, erlangte das Quintett endlich seine eigentliche Form. Die Band bleibt bis zum heutigen Tag die vorwiegende musikalische Plattform und Stimme für Ines, und erlaubt ihr, ihre Kompositionen darin zu entwickeln und sich als Pianistin und Singer-Songwriterin auszudrücken. In den letzten zwei Jahren spielte diese Band viele Konzerte und nahm im Januar 2016 eine Demo-CD auf.

Danach verbrachte Ines im Rahmen ihres Erasmus-Semesters sechs Monate in Barcelona, ließ sich unendlich von der Stadt, die sie selbst Juwel nennt, beeinflussen, und konnte motiviert und bereichert ihre Erfahrungen mit zurück nach Österreich nehmen. Nach ihrer Rückkehr nach Graz nahm sie im Oktober 2016 mit ihrer Band Amadeus Vúlkan ihr Debütalbum For Rosemary auf und wird es im April 2017 veröffentlichen.

Meine übergroße Schüchternheit überwindend (den muss ich mir merken!) habe ich Ihr auf Facebook eine kurze Respekt- bzw. Bewunderungsmail geschickt: “Was für eine Stimme, wow!”

Im sich bald anschließenden Chat kam sie dann mit gleich mehreren guten Nachrichten heraus:

“Ich habe im Juni ein Konzert in der Stadt Salzburg mit meinem Vocal Trio! Vielleicht magst du ja kommen,  im PlanB.”
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5. April 2017
von Andreas Gradert
1 Kommentar

MUSIK: Worth

Nach mit nicht enden wollenden Verhandlungen angefüllten Arbeitstagen freue ich mich immer wieder auf die Entspannungsphase, heute mit guter Musik.

Bei Lyèce im MusikCafe PlanB spielt heute Abend Christopher Worth von 20-22 Uhr, unaufgeregter, melodischer Blues zur Gitarre.

Christopher Wort ist aus Portland, war ein aufstrebender Schauspieler im College, aber ein Durchbruch gelang ihm nicht, er wurde einfach nicht endteckt. Man steckte ihn zufällig in ein Musical, und er entdeckte, dass er eine Stimme hatte.

Er begann mit der Band NIAYH (Now is all you have) – ich lebe gerade auch ein wenig das gleiche Gefühl – und begann dann eine Solokarriere mit Rückbesinnung auf die Blues-Tradition in Oregon, mit dem Versprechen, das Geschenk seiner Stimme mit der Welt zu teilen. Das tut er auch, kompromisslos, mit Auftritten in kleinen Häusern, aber auch als Straßenmusikant.

Ich freue mich, einige von Euch heute Abend dort zu sehen, er spielt dort aus seinem dritten Studioalbum, sein Youtube-Channel ist hier.

6. März 2017
von Robert Buggler
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Sozial: Was wären die Menschenrechte ohne deren Verwalter

Wer kennt sie nicht: Die mit Menschenrechts-, Sozial- und Solidaritätspreisen ausgezeichneten Männer und Frauen, meistens ehrenamtlich engagiert, für Obdachlose, Asylwerber, arme Kinder. Wer kennt sie nicht: Die Medienberichte sonder Zahl, über die modernen Robin Hoods, die Kleidersammler, Essensspender und Tafelbetreiber. Wer kennt sie nicht: Die Festakte, die Ordensverleihungen und Festschriften, wenn sich wieder einmal eine Person besonders hervorgetan hat und ihr „soziales Gewissen“ gezeigt hat, dem Staat, den Parteien, dem System quasi vormacht, wie es geht. Und ja, alles davon ist wohl unersetzlich. Die sozial handelnden Menschen, das Reden darüber, das Ritual der Preisverleihung. Was wäre Österreich, was wäre Salzburg ohne die gefeierten sozialen Helden?

Obwohl: Was wäre Österreich, was wäre Salzburg ohne Sozialstaat, ohne den die Sozialgesetze vollziehenden Beamten, ohne im Hintergrund wirkende Sozialarbeiterinnen, ohne den auch nach Jahren nach wie vor bemühten Arbeitsmarktvermittler? Klar, der Staat und die Bürokratie können kalt, unbarmherzig und machtversessen sein, zynisch, leistungsverweigernd und herablassend. Und dennoch gibt es sie, die stillen Helden. Jene, die ganz einfach ihren Job machen, und manches Mal sogar ein bisschen mehr, mit Engagement, mit Empathie, mit Herzblut. Jene Beamten also, die dafür Sorge tragen, dass arme Familien ihre Mindestsicherung rechtzeitig ausbezahlt bekommen. Der Sozialberater in der Wohnungslosenhilfe, der trotz mangelnder Perspektiven als Ansprechpartner da ist, zuhörend, aufklärend, ein bisschen Hoffnung machend? Die Jugendamtsmitarbeiterin, die klärend, helfend und um Lösung ringend Familien aus dem gröbsten Schlamassel befreit?

Ja, klar, über einen Menschenrechtspreis für einen Vollzugsbeamten berichten wohl die wenigsten Medien. Und kaum ein Preisverleihungskomitee käme wohl auf die Ideen, einer Mitarbeiterin der Jungendhilfe einen Orden umzuhängen, weil sie ein Kind aus einer Familien genommen hat. Nur: Was wären die Menschenrechte, die Solidarität, der gesellschaftliche Zusammenhalt ohne all diese „Verwalter“? Eben. Auch wenn sie keiner kennt.

Kommentar in der Straßenzeitung Apropos 3/2017

 

9. Januar 2017
von Andreas Gradert
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LEBENSHILFE: Kurzfilmreihe Lebenshilfe Salzburg

In dieser Kurzfilmreihe zeigt die Lebenshilfe Salzburg, wie Menschen mit Beeinträchtigung arbeiten, wohnen oder ihre Freizeit verbringen.

In erster Linie besteht die Reihe aus Kurzdokus, mit “Viele Rollen” gibt es auch einen Kurzspielfilm.

Am Ausbau der Reihe wird ständig gearbeitet. Weiter →

10. November 2016
von Andreas Gradert
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Courage: Lunch mit Hofer

Eine Freundin von mir ist zum Businesslunch bei Hofer eingeladen worden.

Hier ihre Antwort auf die Einladung:

Sehr geehrte Damen und Herren,
vielen Dank für Ihre Einladung zum Business Lunch.

Besonders erstaunt bin ich darüber, dass Menschen wie Frau Svazek, die selbst einen Migrationshintergrund haben, sich für diese Form von Veranstaltung verwenden lassen. Weiter →

29. August 2016
von Andreas Gradert
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Geschützt: Zwischen Himmel und Erde: Das Hotel Kobenzl

Lange war das Hotel Kobenzl am Gaisberg ein Luxushotel, in dem die Prominenz Europas ein- und ausging. Heute ist das Kobenzl ein leerstehendes Asylquartier. Der Leipziger Fotograf Matthias Hoch hat die Veränderung der Grand Dame in einer beeindruckenden Fotoserie begleitet. Das Resultat ist derzeit in der Galerie Fotohof zu sehen. Wir haben ihn zum Interview gebeten.

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Matthias Hoch, aus Hotel Kobenzl, Salzburg 2014-16, Archival Pigment Print, 42×63 cm ©2016 Matthias Hoch/ VG Bild-Kunst Bonn

Du stammst ja selbst nicht aus Salzburg. Wie bist du auf das Hotel Kobenzl aufmerksam geworden?

Mich interessieren schon immer Orte mit Geschichte. Orte, die in gewisser Hinsicht aufgeladen sind. Ich suche visuelle Spuren dieser Geschichte. Menschen zeige ich in meinen Fotografien nie. Ich sehe die Welt als Bühne, auf meinen Bildern sind die Akteure schon gegangen, oder die Vorstellung hat noch gar nicht begonnen, wer weiß das schon… Jedenfalls muss der Betrachter die Bilder selbst zum Leben erwecken.

Ich sehe die Welt als Bühne, auf meinen Bildern sind die Akteure schon gegangen, oder die Vorstellung hat noch gar nicht begonnen, wer weiß das schon…

Nach fotografischen Arbeiten über ein Parlamentsgebäude, ein Großklinikum und ein Banken-Hochhaus ist es nun zu einer Auseinandersetzung mit einem Hotel gekommen, und dieses Hotel hat eine so reizvolle Geschichte, daran konnte ich nicht vorbeigehen. Für mein letztes Projekt Silver Tower hatte der Frankfurter Schriftsteller Andreas Maier einen Text geschrieben, und damals, Anfang 2014, rief er mich an und fragte, ob ich nicht mal mit ihm zusammen „so ein leerstehendes Hotel in Salzburg“ besuchen würde, das könnte mich vielleicht interessieren. Als Suhrkamp-Autor wusste er von den Stammgästen Thomas Bernhard, Peter Handke und ihren Lektoren, und wusste, dass die gesamte Suhrkamp-Taschenbuch-Bibliothek in der Lobby des Hotels stand – immer noch, auch nach acht Jahren Leerstand. Ich war noch nie in Salzburg, das schien ein guter Anlass zu sein. Außerdem wollte er mir das Augustiner Bräu in Mülln zeigen. So bin ich hierher gekommen.

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Matthias Hoch, aus Hotel Kobenzl, Salzburg 2014-16, Archival Pigment Print, 42×63 cm ©2016 Matthias Hoch/ VG Bild-Kunst Bonn

Was hat dich am Kobenzl interessiert?

Dieses Hotel war nie ein wirkliches Luxushotel mit Grandezza – es war ein einfacher Berggasthof, und als es lief in den 1960er Jahren, als mehr Gäste kamen, wurde angebaut. Dann wurde weiter angebaut, insgesamt fünf Gebäudeteile kamen so zusammen, keine architektonischen Meisterwerke, um es vorsichtig zu sagen. Ein einziger Stilmix mit vielen Brüchen. Ein Berggasthof, aufgeladen mit Pomp und Prunk und Edelkitsch und vielen Teppichen. Mich interessierte, was damals als Luxus galt. Ich denke, es war eine Übereinkunft. Nachdem die Wichtigen der Welt hier abstiegen, war es keine Frage mehr: hier war der Platz, an dem man sein musste. Das große Kapital dieses Ortes war immer die Lage und der Blick. Und, wenn ich die Gästebücher lese: die familiäre Herzlichkeit der Bewirtung. Die Ausstattung und das Interieur waren nie wirklich entscheidend. Und so sah es auch aus.

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Historisches Foto: US-Präsident Richard Nixon und seine Frau Patricia auf Einladung von Bundeskanzler Bruno Kreisky in Salzburg, Hotel Kobenzl, 21. Mai 1972. Archiv Hotel Kobenzl/ Familie Herzog, Salzburg

Über all das wollte ich in meinen Bildern etwas erzählen. Ich wollte die Oberflächen und die Beschaffenheit der Räume genau beschreiben, ich wollte den Dingen, trotz ihrer jetzigen Nutzlosigkeit, ihre Aura wiedergeben. Dabei wollte ich unvoreingenommen die „wichtigen“ Dinge eines Hotels, wie die Lobby, die Bar, die Zimmerschlüssel genauso ernsthaft betrachten wie die ganz und gar beiläufigen wie Falten im Tischtuch, tote Fliegen auf dem Bett, Hotelsilber, das nicht mehr glänzt, merkwürdige Gymnastikgeräte usw. Dazu musste ich das Haus kennenlernen, erkunden, mich mit der Biografie des Ortes auseinandersetzen. Nach einem halben Jahr konnte ich Fotoalben, Gästebücher, Zeitungsausschnitte, Werbeprospekte einsehen, und so wurde die Vergangenheit tatsächlich lebendig. Jetzt sind diese Dokumente Teil der Ausstellung. Wir sehen die Inhaberfamilie Herzog mit prominenten Gästen wie Richard Nixon, Margaret Thatcher, Herbert Grönemeyer. Die Kinder, die im Hotel aufwachsen, sind immer dabei.

Über die Ausstellung

Die Ausstellung Matthias Hoch: Hotel Kobenzl ist im Fotohof bis zum 24.9.2016 zu sehen. Die Publikation Matthias Hoch: Hotel Kobenzl, mit einem Text von Andreas Maier, erscheint im Herbst 2016 in der Fotohof edition.

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Matthias Hoch, aus Hotel Kobenzl, Salzburg 2014-16, Archival Pigment Print, 42×63 cm ©2016 Matthias Hoch/ VG Bild-Kunst Bonn

Wie wird die Veränderung der letzten Jahre im Haus spürbar und sichtbar?

Die Zeit war einfach stehengeblieben. So wirkte das Hotel, als ich es zum ersten Mal besuchte. Ich hatte das Gefühl, als wäre der letzte Gast gerade erst gegangen. Das hatte auch damit zu tun, dass die Eigentümerfamilie während des Stillstandes den langjährigen Hausmeister einfach weiterbeschäftigt hatte. Der hielt das Haus in Ordnung, machte jeden Tag ein, zwei Zimmer sauber, bezog die Betten, als wäre nichts geschehen, acht Jahre lang.

2014 war ich viermal im Hotel, jeweils eine reichliche Woche, ich konnte im Haus übernachten, hatte den Hotelschlüssel, war der einzige Gast. Das war wichtig für mich, um die Atmosphäre zu erspüren, zu verschiedenen Tages- und Jahreszeiten. Der Hausmeister war begeistert, dass sich jemand, noch dazu von weit her, für „sein“ Haus interessierte und bot mir an, jeden Morgen das Frühstück zu bereiten, wie früher. Und so kam er mit einem silbernen Tablett auf mein Zimmer und servierte Kaffee, ein weichgekochtes Ei und frisch gepressten Orangensaft.

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Matthias Hoch, aus Hotel Kobenzl, Salzburg 2014-16, Archival Pigment Print, 42×63 cm ©2016 Matthias Hoch/ VG Bild-Kunst Bonn

In diesem Jahr fotografierte ich das ganze Haus, die Zimmer, den Wellnessbereich, die Küche, den Weinkeller, einfach alles. Wobei ich meine Fotografien nicht als Dokumente sehe – im Sinne von „so ist es gewesen“ – es geht mir um die Transformation der sogenannten Realität auf eine zweidimensionale Fläche, das Bild. Dabei bestimme ich sehr genau, was ich zeige und was nicht, die Aus- und Anschnitte, die Farben, die Kontraste. Die besten Bilder sind die, die sich in ihrer Zeichenhaftigkeit vom Abgebildeten ein Stück lösen und in ihrer Abstraktion ein Eigenleben beginnen – sie benötigen den Zusammenhang der Serie nicht mehr zwingend, man kann sie auch daraus lösen. So fotografierte ich also und dachte, ich hätte unendlich viel Zeit – denn es hatte sich ja seit Jahrzehnten nichts verändert.

Anfang 2015 kam die überraschende Wende: Bund und Land suchten dringend Plätze für Asylsuchende und schlossen mit der Eigentümerfamilie einen Mietvertrag über 15 Jahre ab. Als das bekannt wurde, gab es ein heftiges mediales Echo. „Asyl-Verteilzentrum auf dem Gaisberg. Das trifft Salzburg mitten ins Herz“ (Kronen Zeitung, 29.1.2015). Auch in Deutschland wurde es wahrgenommen: „Flüchtlinge statt Promis: Luxushotel wird Erstaufnahmelager“ (HNA, Kassel, 4.2.2015).

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Matthias Hoch, aus Hotel Kobenzl, Salzburg 2014-16, Archival Pigment Print, 42×63 cm ©2016 Matthias Hoch/ VG Bild-Kunst Bonn

Nach Jahren des Stillstandes war die Geschwindigkeit des Wandels enorm: innerhalb eines Monats verschwand das gesamte Mobiliar und wurde nach den Vorschriften für eine Asylunterkunft ersetzt: Stockbetten des Heeres statt reich verzierter Doppelbetten, Energiesparlampen statt Kronleuchtern, Plastik- statt Antikmobiliar. Übergangslösungen gab es einige: die Betreuungsfirma servierte das Essen auf Kobenzl-Porzellan, die Kleiderspenden hingen auf Hotelbügeln, im Salon wurde Deutsch gelehrt und ein Doppelzimmer während des Ramadan zum Gebetsraum umfunktioniert.

War es schwierig, die Genehmigungen für dein Projekt zu erhalten?

Der Beginn war einfach: der Hoteleigentümer kannte den Schriftsteller, vertraute auch mir, gab uns die Schlüssel, los ging’s. Die Schwierigkeiten begannen später. Um ehrlich zu sein: das Thema der Flüchtlingsunterkunft hätte ich mir nie selbst gewählt, es war mir viel zu aktuell und aufgeladen, alle Fotografen machten gerade so etwas, daran war ich nicht interessiert. Aber: das Thema kam ja praktisch ohne mein Zutun zu mir. Da ich an der wechselvollen Geschichte des Hauses interessiert war, wurde mir klar, dass hier ein weiteres Kapitel begann. Es gab diese Eigenwerbung des Hotels, die jetzt eine völlig neue Bedeutung bekam: „Die Welt zu Hause im Kobenzl“. Es war keine Frage, ich machte weiter.

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Matthias Hoch, aus Hotel Kobenzl, Salzburg 2014-16, Archival Pigment Print, 42×63 cm ©2016 Matthias Hoch/ VG Bild-Kunst Bonn

Das heißt, ich wollte weitermachen, doch die Betreuungsfirma und das Wiener Innenministerium als neuer Hausherr verweigerten den Zugang. Insbesondere das Fotografieren war streng verboten, traumatisierte Flüchtlinge mussten geschützt werden. Das leuchtete mir ein, ich hatte auch nicht vor, Porträts der Geflüchteten zu machen. Ich war ausschließlich an der Geschichte des Hauses interessiert. Es verging ein viertel Jahr mit Schriftverkehr.

Der Grat zwischen Genehmigung und Ablehnung ist in solchen Fällen sehr schmal und hängt immer an Personen. Ich hatte das Glück, nach der Empfehlung durch den Hoteleigentümer an einen leitenden Beamten des BMI zu geraten, dem ich mein Projekt in einem Telefongespräch darlegen konnte, der kunstsinnig war, der es verstand, unterstütze, mir vertraute und einfach durchgab, dass ich ab sofort weitermachen könne. So einfach kann es sein.

Lassen sich an der Transformation des Hotel Kobenzl auch größere gesellschaftliche Entwicklungen ablesen?

Alles, was hier im Kleinen passiert, hat seine Entsprechung und die Gründe dafür im großen Kontext. Die Geschichte des Hotels ist ein Ausdruck der gesellschaftlichen Entwicklung, und zwar nicht erst jetzt, sondern schon viel früher. Das Haus hieß einmal Judenbergalm, dann, in den 1940er Jahren, wurde es in Rosenhof umbenannt, später hieß es Kobenzl. Einer der ersten prominenten Gäste war Wernher von Braun, der Raketenentwickler der Nazis, der für die Amerikaner die Mondlandung vorbereitete. Im Juni 1969 ließ er von der Kobenzl-Terrasse eine Modellrakete in den Salzburger Abendhimmel fliegen, das Fernsehen war dabei und zeigte diese Szene am 20./21.7.1969 zwischen dem Start von Apollo 11 und der Landung auf dem Mond mehrfach. Millionen Fernsehzuschauer sahen das, eine ziemlich geniale Werbung.

Schon ein paar Wochen später kamen die ersten Amerikaner in die Salzburger Tourist Information und wollten in dieses Hotel, in dem The Rocket Man zu Gast war. So begann der internationale Aufstieg des Hauses. Später kamen Nixon, Thatcher, Strauß, der japanische Kaiser. Dann Schwarzenegger, Grönemeyer, Jürgens, und dann begann der Abstieg mit Popsternchen und Fußballern, die hier neureich Hochzeit feierten. Irgendwann zog die ganze Karawane weiter, das Haus wurde nach mehreren Wiederbelebungsversuchen und geplatzten Kaufanfragen geschlossen.

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Matthias Hoch, aus Hotel Kobenzl, Salzburg 2014-16, Archival Pigment Print, 42×63 cm ©2016 Matthias Hoch/ VG Bild-Kunst Bonn

2015 kamen dann die syrischen Flüchtlinge und afghanische Großfamilien, das Haus war bis zur Kapazitätsgrenze belegt. Jetzt, im August 2016, ist das Haus wieder vollkommen leer. Es gibt nach der Schließung der Balkanroute keine Flüchtlinge mehr, die zu verteilen wären. Die Mitarbeiter wurden beurlaubt. So ist dieses Haus in ständiger Wandlung, die Geschichte geht weiter, und sie ist immer Ausdruck der politischen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen und Entwicklungen. Das ist das Spannende. Dabei habe ich in diesem Zeitstrahl des Berggasthofes von 1864 bis heute nur reichlich zwei Jahre verfolgt, aber diese zwei Jahre waren ziemlich ereignisreich…

Warum sollten sich SalzburgerInnen die Ausstellung ansehen?

Zur Eröffnung kam ein Publikum mit ganz verschiedenen Interessen: da waren die Kunstinteressierten, die Fotofreaks, die älteren Damen und Herren, die sich an ihre Familienfeiern im Kobenzl erinnerten, die Wanderer, die auf dem Weg zum Gaisberg ihre Jausenstation vermissen. Für viele kann diese Ausstellung interessant sein und etwas lebendig werden lassen. Jeder Taxifahrer konnte mir Geschichten erzählen von wichtigen oder skurrilen Gästen, die er oder sie „hochgefahren“ hatte. Es gibt also diese regionale Verortung. Gleichzeitig ist das Hotel ein Ort der Zeitgeschichte.

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Matthias Hoch, aus Hotel Kobenzl, Salzburg 2014-16, Archival Pigment Print, 42×63 cm ©2016 Matthias Hoch/ VG Bild-Kunst Bonn

Ich habe das große Glück, mein Material zeitgleich in zwei Einzelausstellungen zeigen zu können, einmal in Salzburg und einmal in Leipzig. Die Galerie für Zeitgenössiche Kunst (GfZK) präsentiert meine Bilder als Doppelprojektion in einem großen dunklen Raum. Es ergeben sich Bildpaare und Verschränkungen zwischen meinen Fotografien und historischen Dokumenten, und das ist ein ganz anderes Erlebnis als hier, wo im Fotohof 40 Bilder an der Wand hängen. Hier kann man die Bilder abschreiten, die Zeit tatsächlich anhalten und sie solange betrachten, wie man will. Wenn ich eine Empfehlung geben kann: fahrt nach Salzburg und Leipzig, schaut euch beide Ausstellungen an!

Was „wünschst“ du dem Hotel Kobenzl für die Zukunft?

Das ist eine schwierige Frage. Ich möchte mich da eher zurückhalten. Die Nutzung als Flüchtlingsheim ist in der gegenwärtigen Situation des Leerstandes sinnvoll, humanitär, wichtig. Ich sehe sie jedoch als temporär.

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Matthias Hoch, aus Hotel Kobenzl, Salzburg 2014-16, Archival Pigment Print, 42×63 cm ©2016 Matthias Hoch/ VG Bild-Kunst Bonn

Ich habe dieses Haus als wunderbaren Ort zwischen Himmel und Erde erlebt. Wenn man auf der Terrasse über den Wolken ist, dann ist die Stadt, so nah sie auch immer sein mag, einfach nicht mehr sichtbar, sie ist verschwunden. Und wenn dann der „Vorhang“ langsam wieder aufgeht – das ist ein grandioses Schauspiel. Ich wünsche diesem Ort, dass er für alle, die ihn erleben wollen, offen und zugänglich ist.

Matthias Hoch, bildender Künstler und Fotograf, lebt in Leipzig, www.matthiashoch.com

Porträtfoto: Miriam Steiner/ 3sat

Matthias Hoch im Hotel Kobenzl, Salzburg, 1.8.2016. Foto: Miriam Steiner/ 3sat

Weitere Informationen gibt es hier, hier und hier.

9. August 2016
von Martin Habacher
Kommentare deaktiviert für Martin Habacher: Ich suche Persönliche Assistenz (m/w)

Martin Habacher: Ich suche Persönliche Assistenz (m/w)

Ich bitte um Aufmerksamkeit für den Aufruf von Martin Habacher:

Ich bin Social Media Berater und YouTuber. Online bewege ich mich hauptsächlich auf Facebook, Twitter, Instagram, Snapchat & YouTube. Darum solltest du damit keine Berührungsängste haben, wenn du für mich arbeiten möchtest! Offline bewege ich mich ausschließlich mittels Elektrorollstuhl vorwärts. Weiter →

14. Juli 2016
von Andreas Gradert
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Pastafaris Austria

Das war ja wohl überfällig.

Mit Stichtag 26. März 2015 hat die Landespolizeidirektion Wien folgenden Verein im Vereinsregister mit der Zahl ZVR 444459816 aufgenommmen, mit dem Vereinsnamen Pastafarischer Verein zur Förderungen der Gedanken an das Fliegende Spaghettimonster in Österreich Weiter →

Mag. Simone Engländer

8. Juli 2016
von Simone Engländer
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Inklusion in der Schule – Wie sinnvoll ist gemeinsames Lernen von Menschen mit und ohne Beeinträchtigungen?

Eine Diplomarbeitsstudie an der Fakultät für Psychologie der Universität Wien untersuchte die Effekte einer inklusiven Schulerfahrung und analysierte nachhaltige Auswirkungen von inklusiven Bildungssettings auf das gegenseitige Verständnis. Weiter →

5. Mai 2016
von Andreas Gradert
Kommentare deaktiviert für Blog-Sabbatical

Blog-Sabbatical

Nein, keine Entschuldigungen, keine Beteuerungen, ich habe mich einfach ein ganzes Jahr nicht um meinen Blog gekümmert. Also keine religiöse oder arbeitstechnische Blähung, sondern einfach šabat, mal mit etwas aufhören. Weiter →

9. April 2015
von Andreas Gradert
Kommentare deaktiviert für Pauleasca ist Europas Versagen: (1) Von Salzburgs Bettelnden zur Hölle der Roma in Rumänien

Pauleasca ist Europas Versagen: (1) Von Salzburgs Bettelnden zur Hölle der Roma in Rumänien

Ein Gastbeitrag von meinem Freund Martin Borger (twitter, facebook, spö, blog ), erschienen bei fischundfleisch.com Weiter →

7. Oktober 2014
von Barbara Prietl
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Lebenshilfe: Über zwei, die sich trauen

Ein Gastbeitrag von Barbara Prietl von der Lebenshilfe Graz und Umgebung – Voitsberg

Sexualität und Partnerschaft von Menschen mit Behinderung sind immer noch ein großes Tabu. Wer Menschenrechte ernst nimmt, bricht es – so wie Andreas, Diana und ihr Umfeld. Weiter →

24. September 2014
von Andreas Gradert
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IAIDO: Die Kunst des Schwertziehens

Iaido ist die klassische Kunst der Samurai, der Weg des Schwertziehens, und genau so ist auch der erste überlieferte Name dieser Budo-Disziplin, Battōjutsu, die Kunst des Schwertziehens. Sie benutzt als einzige Budo-Disziplin ein echtes japanisches Schwert, die Katana. Weiter →

19. September 2014
von Andreas Gradert
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NEOS: Salzburg braucht einen Strand

Freie Sicht zum Mittelmeer – nieder mit den Alpen! Mit dieser Forderung komme ich in Salzburg nicht weit, da sind zum einen die Erdkrümmung und zum anderen der Tourismusverband meine natürlichen Feinde. Aber wie bekomme ich einen Strand nach Salzburg? Als ich in London wohnte, da war das relativ einfach, nur mit der Northern Line nach Camden Town fahren und dann zum Roundhouse, an den Stadtstrand Camden Beach: Weiter →