IAIDO: Die Kunst des Schwertziehens

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Iaido ist die klassische Kunst der Samurai, der Weg des Schwertziehens, und genau so ist auch der erste überlieferte Name dieser Budo-Disziplin, Battōjutsu, die Kunst des Schwertziehens. Sie benutzt als einzige Budo-Disziplin ein echtes japanisches Schwert, die Katana.

Die Besonderheit des Iaido ist die Tatsache, das das Schwert noch während des Ziehens aus der Schwertscheide als Waffe eingesetzt wird, Ziehen und der Schnitt sind eine Bewegung, der Angriff wird blitzschnell ausgeführt.

Natürlich fangen Anfänger nicht mit scharfen Schwerten an, sie benutzen zunächst ein Holzschwert (Bokken) in einer Kunststoffscheide (Saya), später dann ein Übungsschwert (Iaitō) aus einer Alu-Legierung oder Stahl, und bei entsprechender Meisterschaft dann auch ein Schwert mit scharfer Schneide (Shin-Ken).

Die Trainings bestehen aus einer genau festgelegten Abfolge von Bewegungen, die einen Kampf gegen einen imaginären Gegner darstellen, zu Demonstrationszwecken gibt es auch einen Kampf gegen einen echten Gegner. Die Elemente bei diesen Katas sind folgende:

  • Nuki Tsuke, das Herausziehen des Schwertes und der erste Schnitt
  • Kiri Tsuke, weitere Schnitte
  • Chiburi, das Abschütteln von Blut
  • Noto, das Zurückführen des Schwertes in das Saya

Im Iaido gibt es zwölf von diesen Katas, die Seitei-Iaido. Sie wurden 1968 mit zunächst sieben Katas zusammengestellt, 1980 auf zehn und 2000 auf zwölf Katas aufgestockt, und werden in der Grundschule des Iaido (Kihon) erlernt.

Betreten des Dojo

01 Ipponme, Mae

(Mae: nach vorne). In der ersten Form sitzt der Iaidoka im formalen japanischen Kniesitz, dem Seiza. Wenn er eine Bedrohung erkennt, die von einem ihm Gegen­über­sitzenden aus­geht, kommt es zur Aktion (möglichst in Sen sen no sen Technik). Er führt einen ein­händigen waage­rechten Schnitt zum Kopf (durch Komekami, die Schläfe, ent­spre­chend der Augen­linie) des An­grei­fers. Diese Attacke wird von einem senk­rechten beidhändigen Schnitt gefolgt, der die Sache zuende bringt.

02 Nihonme, Ushiro

(Ushiro: rückwärts). Wieder sitzt der Iaidoka im formalen japanischen Kniesitz, dem Seiza. Er ist vom Gegner abgewandt, der genau hinter ihm ist. Er spürt den Beginn eines Angriffs. Der Iaidoka reagiert, indem er sich um 180° nach links herum­dreht und gleichzeitig das Schwert zieht. Er teilt einen horizontalen Schnitt ins Gesicht des Angreifers aus, welcher von einem endgültigen, beidhändigen Schnitt (siehe Mae) gefolgt wird.

03 Sanbonme, Ukenagashi

(Uke-nagashi: Gegner abgleiten lassen). Ein im Seiza Sitzender wird plötzlich von links ange­griffen. Der Iaidoka erhebt sich, zieht gleichzeitig und führt eine Abwehr in Sen no Sen mit dem Schwert­(rücken) durch. Er wehrt überkopf einen senk­rechten Schnitt ab, mit dem er angegriffen wird. Der Schnitt gleitet seitlich ab. Während­dessen dreht er sich seitlich aus der Angriffslinie heraus. Mit einem schnell folgenden beid­hän­digen Dia­go­nal­schnitt wird der Angreifer erledigt. Das Schwert vor dem Noto rechts mit dem Monouchi (vorderes Schwertdrittel) für Chinugui kurz auf das Knie abgelegt.

04 Yonhonme, Tsukaate

(Tsuka-ate: Stoß mit dem Griff). Der Iaidoka sitzt im Iaihiza (das rechte Bein ist aufgestellt). Es gibt zwei Angreifer, einer ist in Front und der andere im Rücken. Zur Abwehr stößt der Iaidoka mit dem hartem Ende seines Schwertgriffs (Tsuka Kashira) in den Magen des Angreifers vor ihm. Er dreht sich sofort links herum, um den Angreifer im Rücken mit einem horizontalen Stich (Tsuki) seines Schwertes zu treffen. Nun folgt nach einer Drehung zurück ein beidhändiger Überkopf-Schnitt, um den frontalen Gegner endgültig zu besiegen.

05 Gohonme, Kesagiri

(Kesa-giri: Schnitt durch Kesa). In der fünften Form steht der Iaidoka in der Position Tachi-Iai (Iai im Stehen). Der Feind greift mit erhobenem Schwert frontal an. Er will einen senkrechten Hieb führen. Der Angegriffene übernimmt die Initiative und geht in den Gegner mit einem nach oben geführten, schrägen Schnitt entlang des Kesa (führt über den Bereich des Klei­dung­s­stücks Kesa) hinein. Der einhändige Schnitt geht von links unten nach rechts oben. Sofort wird die Klinge oben gedreht und ein beidhändiger Schnitt entlang derselben Bahn nach unten links abwärts geführt.

06 Ropponme, Morotetsuki

(Moro-te-tsuki: Beidhändiger Stich). Nun verteidigt man sich gegen einen Angriff gegen zwei oder drei Gegner, von denen zwei frontal und einer rückwärtig angreift. Der Iaidoka führt als erstes einen ein­hän­­di­gen schrägen Streich gegen das Gesicht des frontalen Gegners (dabei Enbusen/Seichusen beachten) und setzt die Aktion sofort in einen beidhändigen Stich in das Zentrum des Gegner fort. Er dreht sich um 180° nach hinten und geht den rückwärtigen Angreifer mit einem Überkopfschnitt an. Gleich darauf wendet sich der Iaidoka zurück zur Ausgangsrichtung und beendet die Auseinander­setzung mit einem weiteren Überkopfschnitt. Es kann dabei der erste Gegner gemeint sein, oder ein weiterer dritter, bisher versteckter Gegner.

07 Nanhonme, Sanpogiri

(San-po-giri: 3-Richtungen-Schnitt). Der Iaidoka sieht drei Gegner, die ihn bedrohen und auf ihn zukommen. Sie wollen ihn angreifen. Mit Ki wird der frontale Gegner angegangen und bedroht. Dann erfolgt eine ausweichende (überraschende) Wendung nach rechts. Der rechte Gegner wird mit einem einhändigen Streich zum Kopf, als nächstes der linke Gegner mit beid­händig mittigen und anschließend der mittlere Gegner mit frontalen Schnitt besiegt. Abschließend wird mit Hidari-Jodan-no Kamae und Zanshin zurückgetreten.

08 Hachihon-me, Ganmen-ate

(Ganmen-ate: Stoß ins Gesicht). Der Schwert­kämpfer wird von zwei Personen angegriffen. Die eine nähert sich frontal und eine andere von hinten. In dem Moment, wo Angriffslust bemerkt wird, reagiert der Iaidoka, indem er mit dem harten Ende seines Schwert­­­­griffes ins Gesicht des Angreifers schlägt (Tsukaate), bevor dieser sein Schwert benutzen kann. Mit einer Wendung um 180° stößt er einhändig die Spitze des da­bei ge­zo­genen Schwertes ins Zentrum des hinteren Angreifers. Nach einer weiteren Drehung zurück wird der eingangs betäubte frontale Gegner mit beidhändigen Überkopfschnitt besiegt.

09 Kyuhonme, Soetezuki

(Soe-te-zuki: Stich mit angelegter Hand). Während des Gehens wird der Iaidoka von einem Gegner von links angegriffen. Entweder greift er das Schwert, um es zu entwenden, oder er zieht sein eigenes zum Angriff. Man begegnet der Aggression in flüssiger linker ¼ Wendung mit einem diagonalen Kesagiri von links nach rechts. Es folgt ein endgültiger Stich ins Zentrum des Gegners (mit angelegter Hand).

10 Jyupponme, Shihogiri

(Shi-ho-giri: 4-Richtungen-Schnitt). Man geht auf vier Gegner zu, die einen einkreisen. Im Moment der Spannung kommt man den Angreifern zuvor. Der sein Schwert ziehende Angreifer von schräg rechts wird mit einem Schlag des Griffes auf die Hand gebremst, der Gegner hinten links mit (Sen) Sen no Sen und Stich ins Zentrum erledigt. Eine Wendung zum ersten Gegner mit senkrechtem Schnitt schaltet diesen aus, dann werden ebenso der Gegner rechts hinten und zuletzt der Gegner links vorne besiegt. Abschließend wird mit Hidari-Jodan-no Kamae und Zanshin zurückgetreten.

11 Jyu-ipponme, Soogiri

(Soogiri: Alle Schnitte). Im Gehen kommt der Iaidoka auf einen Gegner zu. Indem er den Angriff voraus­sieht, zieht er das Schwert in Ukenagashi Abwehr. Gleich darauf schneidet er konternd und in Okuri-Ashi vorwärtsrückend den Gegner rechts mit Schnitt von der Schläfe bis zum Kinn, dann links mit einem Schnitt von Schulter bis ins Zentrum, dann wiederum rechts vom Unterarm bis zum Zentrum, dann anschließend mit Horizontal­schnitt von links nach rechts durch die Hüfte und zuguter­letzt beendet ein senkrechter Über­kopf­schnitt das Ganze.

12 Jyu-Nihonme, Nukiuchi

(Nuki-uchi: Ziehen und Schlagen). Ein Angreifer steht direkt vor dem Iaidoka. Wenn der Gegner plötzlich die Waffe gebraucht, zieht der Verteidiger sein Schwert überkopf zur Ukenagashi Abwehr und weicht sicher­heits­halber gleichzeitig einen Schritt zurück. An­schlie­ßend folgt sogleich konternd ein endgültiger Schnitt bei gleich­zei­tigem Schritt nach vorne. Ein Schritt rückwärts bei gleichzeitigem Chiburi aus der Ge­fah­ren­zone beendet die Form.

Verlassen des Dojo

Mit einem oder mehreren echten Gegnern ist es viel leichter, die Bewegungsabläufe des Iaido zu verstehen, was dieses Video sehr gut veranschaulicht. Der Vorführende ist Sensei Sagawa Hakuo, 9. Dan Iaido Hanshi, 8. Dan Kendo Kyoshi.

So wie auch im Kendo oder Jodo gibt es keine bunten Gürtel, um zu zeigen, wer auf der Karriereleiter des Budo schon wie hoch geklettert ist. Die Philosophie in diesen Kampfsportarten lautet, dass man sein Können vor sich herträgt, und nur anhand dessen soll man beurteilt werden.

Ich hoffe, damit einen ersten Überblick geben zu können. Bei Interesse schaut einmal bei den Einstiegsseminaren von Kendo Salzburg rein, am 4.10.2014 ist ein Iado-Tageslehrgang.

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