HIRN: Homöo-Akademie Traunstein 8 | Politiker und Politikerinnen waschen sich in Unschuld

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Ein Gastbeitrag von Dr. Edmund Berndt:

Politiker und Politikerinnen waschen sich in Unschuld

Die Politiker und Politikerinnen halten sich zurück. Werden sie mit den magisch abstrusen Inhalten der Homöopathie konfrontiert, dann hüten sie sich wie auch die überwiegende Mehrheit der Journalisten und Journalistinnen vor einer klaren Stellungnahme. Eine Diskussion über die Inhalte und Vorstellungen der Homöopathie meiden sie wie der Teufel das Weihwasser. Nichts wäre gefährlicher und negativer für das politische Vorankommen als ein eindeutiges Engagement in einer Frage, die eigentlich nicht nur die Medizin betrifft sondern auch eine Weltanschauung berührt. Am einfachsten entgeht man diesem Dilemma, wenn man erklärt, dass man darüber nur eine persönliche Meinung hat, die selbstverständlich nicht relevant ist, weil sie persönlich ist. Dann kommt der eigentliche taktische Befreiungssprung. Man verweist auf die geltende Gesetzeslage. Die Konfrontation wird damit auf die „Beamtenschaft“, die für die Einhaltung der Gesetze zuständig ist, übertragen und schon haben sich Politiker und Politikerinnen ihrer Verantwortung entledigt und waschen ihre Hände in Unschuld wie einst Pontius Pilatus. Als Waschbecken dienen dann Paragraphen Gesetze, Vorschriften, Anweisungen und dergl. mehr in Bund und Ländern.  Hier endet dann die Diskussion im Paragraphendschungel und im Wildwuchs der Zuständigkeiten. Selbstverständlich werden die Behörden bzw. die Beamten alles daran setzen nachzuweisen, dass alles paragraphengerecht und nur paragraphengerecht umgesetzt wird. Eine Diskussion über die Wirksamkeit der Homöopathie ist damit schon beendet, ehe diese begonnen hat. Es steht ja auch nichts drinnen in den Paragraphen über in Wissenschaft, Naturwissenschaft oder Medizin zulässige Inhalte oder Heillehren. Die Diskussion geht ins Leere und genau das wollen die Politiker und Politikerinnen. Sie wollen lediglich Mehrheiten erreichen. Zu viele Wähler und vor allem Wählerinnen schwören auf die Homöopathie und mit Wählerstimmen sollte man es sich nicht verscherzen. Ob die Homöopathie überhaupt wirkt, ist völlig nebensächlich. Angedacht und umgesetzt wird nur, was in der Wahlzelle wirkt.

Alles Zertifiziert

Die Zertifizierung und die rechtliche Zulässigkeit gaukeln Wirksamkeit vor. Genau das ist der „wirksame“ Effekt von Diplomen, Schulungskursen in Homöoakademien etc. Der Zertifizierungsschmäh ist gang und gäbe. Neben einer staatlichen Zertifizierung, die wie alle Zertifizierungen im Prinzip nur eben ein bestimmtes mehr oder weniger überprüfbares Procedere der Herstellung sicherstellen, kann jeder Verein irgendeine x-beliebige Zertifizierung erfinden und festlegen. Es gibt auch zertifiziertes Mondholz zu kaufen, ein Holz, dem nach allen Regeln der bürokratischen Künste bescheinigt wird, in einer bestimmten Mondphase geschlägert worden zu sein.

Sprichwörtlich bezeugt in jeder 2. Ordination eine Urkunde, dass hier zertifizierte Homöopathie von einem zertifizierten Homöopathie-Mediziner betrieben wird. So ein Homöopathiezertifikat ist wie eine Taufurkunde zu sehen. Es wird bestätigt, dass der Arzt offiziell an Homöopathie glaubt, in diesem Glauben per Kurs geweiht wurde und jetzt die Ermächtigung besitzt, den Segen Hahnemans zertifiziert zu erteilen. Wenn Homöopathika in zertifizierten Betrieben aus zertifizierten Ausgansprodukten mit zertifizierten Hilfsstoffen also alles nach den zertifizierten Herstellungsregeln der GMP (Good Manufacturing Practise) hergestellt werden, sind sie noch nicht wirksam, aber lege arte hergestellt! GMP ist kein Wirksamkeitsbeweis und Ärztekammerdiplome auch nicht.

Homöopathische Zubereitungen werden behördlich registriert, das heißt, sie bekommen eine Registrierungsnummer und müssen maximal die Daten der Unbedenklichkeit und gewisse galenische Qualitätspunkte erfüllen. Für Arzneimittel, die zugelassen werden, muss die Wirkung belegt werden, für Homöopathika nicht.

Das Enthexen eines verrenkten Knie mit einem Affenknochen wirkt nicht mehr und nicht weniger, ob der Knochen im oder gegen den Uhrzeigersinn bei der magischen Zeremonie geschwenkt wird, würde unsereins sagen, nicht aber der Heilung Suchende Ureinwohner aus einem entlegenen Winkel der Welt und sein Medizinmann, aber man kann es zertifizieren (!!!!) und festlegen, dass es dann und nur dann „richtig „ gemacht wird, wenn man im Uhrzeigersinn fuchtelt und Begründungen dafür kann auch hier frei nach Robert Musil die „höhere Dummheit“ zu Hauf liefern!

Die Frage ist, was passiert, wenn ein verdeckter Wissenschaftsaktivist in einer Homöopathiefabrik heimlich unter notarieller Aufsicht die Potenzen durcheinander mischt? Beweisen kann dann niemand, ob er C30 Belladonna oder Arnika C200 in Händen hält. Ob dann der Boom so zusammenbricht wie der Glaube an Thor, nachdem Bonifatius die heilige Thoreiche fällte?

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