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Globuli-Überdosis der Skeptiker blieb ohne Folgen

Traunstein. »Homöopathie – nichts drin, nichts dran« riefen 13 Frauen und Männer am Maxplatz, ehe jeder von ihnen ein Fläschchen mit hochdosierten Globuli exte. Zuvor hatten sie der Reihe nach angegeben, was sie zu sich nehmen werden und was ihnen laut homöopathischer Lehre nach der Einnahme droht – von Augenzucken über Malaria bis hin zum Tiefschlaf.

Angst vor schädlichen Auswirkungen hatten die Beteiligten nicht. Sie gehören einer regionalen Skeptiker-Bewegung an, die mittels Selbstversuch auf ironische Weise auf die Unwirksamkeit von Homöopathie aufmerksam machen wollte. »Denn das Dilemma ist, dass die naturwissenschaftliche Argumentation an die Wand prallt, wenn es um so emotional besetzte Themen geht«, so Dr. Edmund Berndt, Autor von »Der Pillendreh: Ein Apotheker packt aus«, gegenüber dem Traunsteiner Tagblatt. Wirklich gelungen ist ihnen das nicht – nur wenige Passanten interessierten sich für die Aktion. Was vielleicht auch an dem Ortswechsel lag; angekündigt hatten die Untersberg-Skeptiker, wie sich die regionale Gruppe der GWUP – Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften – nennt, ihren Protest nämlich auf dem Stadtplatz. Stattgefunden hat er auf dem Maxplatz. Die »Skeptiker« aus dem Chiemgau und Berchtesgadener Land, München und Österreich – darunter Apotheker, Physiker und andere Naturwissenschaftler – sind überzeugt: Homöopathie ist eine esoterische Ideologie. Nicht das Homöopathikum wirkt, sondern der Glaube der Patienten. »Ich finde, Homöopathie ist eine Beleidigung für jeden Wissenschaftler, der sich mit Physik und Medizin befasst. Denn es gibt keine seriöse wissenschaftliche Studie zur Wirksamkeit«, sagt Dr. Hans Richter aus Erding. Er ist eines der Gründungsmitglieder der GWUP mit deutschlandweit gut 1000 Mitgliedern. Schon öfter hat er an Selbstversuchen wie dem in Traunstein teilgenommen. »Man spürt nichts – außer vielleicht den Zucker«, so der Physiker. Kritik üben die Wissenschaftler vor allem an der Potenzierung, einer Grundidee der Homöopathie. Ein Wirkstoff soll umso stärker wirken, je stärker er verdünnt ist. »Das widerspricht den Naturgesetzen«, so Berndt.

Auslöser für die Aktion in Traunstein war zum einen die Woche der Homöopathie, zum anderen die Pläne einer Hochschule für Homöopathie, wie es sie bis vor kurzem noch in Traunstein gegeben hat. Damit erwecke man den Eindruck, es handle sich um echte Wissenschaft, warnen die Untersberger Skeptiker.

Wissenschaft hin – Glaube her: Mit ihrem Selbstversuch haben die 13 Männer und Frauen zumindest eines bewiesen, schädlich sind die homöopathischen Präparate nicht; zumindest zeigte keiner von ihnen binnen einer Stunde irgendwelche Reaktionen. Dafür sind sie aber immens lukrativ: 2012 wurden in Deutschland Homöopathika für 453 Millionen Euro umgesetzt; das entspricht acht Prozent aller rezeptfreien Arzneimittel. ka

Quelle: Traunsteiner Tagblatt

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