MEDIZYNISCH: Wutanfall kann Herzinfarkt und Schlaganfall triggern

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Obwohl ich manchmal der Ansicht bin, dass es um mich herum eine immere höhere ESO- und Homöopathendichte gibt, beginne ich heute damit, das nicht mehr in Wutanfällen, sondern mit heiterer Gelassenheit zu kompensieren. Sonst: Es könnte böse enden! Und das ist keine Warnung von schwarz bemantelten Vollstreckern der Eso-Homöo-Mafia, sondern ein Forschungsergebnis der Europäischen Gesellschaft für Kardiologie.

Eine Übersetzung der Studie habe ich im Deutschen Ärzteblatt gefunden.

Boston – In den ersten beiden Stunden nach einem Wutausbruch steigt das Herzinfarkt­risiko beinahe um den Faktor 4, und das Schlaganfallrisiko erhöhte sich um mehr als den Faktor 3. Auch ventrikuläre Herzrhythmusstörungen und Aneurysmablutungen treten einer Studie im European Heart Journal (2014; doi: 10.1093/eurheartj/ehu033) zufolge häufiger auf.

Ein jäher Wutausbruch geht mit einer Aktivierung des sympathischen Nervensystems einher. Herzfrequenz und Blutdruck steigen relativ rasch an, der Gefäßwiderstand nimmt zu. Dies kann zusammen mit Veränderungen der Fließeigenschaften des Blutes – disku­tiert werden ein Anstieg von Viskosität und Thrombozytenaggregation und ein Abfall des fibrinolytischen Potenzials – durchaus der Tropfen sein, der das Fass zum Überlaufen bringt und in atherosklerotisch vorgeschädigten Koronarien oder Hirngefäßen den Anstoß zu einem thrombotischen Ereignis gibt.

Wutausbrüche sind deshalb ein bekannter Trigger für Herzinfarkt und Schlaganfall. Eine Reihe von Studien hat den Zusammenhang in den letzten Jahren untersucht. Elizabeth Mostofsky von der Harvard School of Public Health in Boston fasst die Ergebnisse jetzt zusammen.

Danach steigt in den ersten beiden Stunden nach einem Wutausbruch das Risiko auf einen Herzinfarkt oder andere akute koronare Syndrome um den Faktor 4,74 (95-Pro­zent-Konfidenzintervall 2,5-8,99). Das Risiko auf einen ischämischen Schlaganfall war tendenziell um den Faktor 3,62 (0,82-16,08) erhöht. Für eine Blutung aus einem intrakraniellen Aneurysma ermittelt Mostofsky ein um den Faktor 6,30 (1,59-24,90) erhöhtes Risiko. Zu einer ventrikulären Arrythmie kam es 3,20-fach (1,80-5,69) häufiger.

Da die Wutphase relativ kurz ist und das Risiko sich nach dem Abkühlen des Tempe­raments wieder normalisiert, ist das absolute Risiko, nach einem Wutanfall an Herzinfarkt oder Schlaganfall zu sterben, gering. Mostofsky errechnet, dass ein monatlicher Wut­anfall nur zu einem zusätzlichen kardiovaskulären Ereignis auf 10.000 Personenjahre führt, wenn das Zehnjahresausgangsrisiko 10 Prozent beträgt. Bei einem Zehnjahres­ausgangsrisiko von 20 Prozent wären es vier zusätzliche Ereignisse pro 10.000 Personenjahre.

Ausgesprochene Choleriker mit fünf Wutausbrüchen am Tag sind schon eher gefährdet. Für ein Zehnjahresausgangsrisiko von 10 Prozent errechnet Mostofsky 158 zusätzliche kardiovaskuläre Ereignisse auf 10.000 Personenjahre, und bei einem Zehnjahres­ausgangsrisiko von 20 Prozent könnten es 657 zusätzliche Ereignisse auf 10.000 Perso­nenjahre sein. Das bedeutet, dass etwa jeder 15. Choleriker Gefahr läuft, durch einen seiner 1.825 jährlichen Wutausbrüche in eine lebensgefährliche Situation zu geraten.

Studienleiter Murray Mittleman rät Menschen, die zu Wutausbrüchen neigen, sich kardio­logisch untersuchen zu lassen. Medikamente könnten die Folgen der Wutanfälle mindern. Infrage kämen beispielsweise Beta-Blocker, die die Wirkungen des Stress­hormons Adrenalin auf Herz und Kreislauf blockieren. Antidepressiva könnten die Impulskontrolle verbessern und verhindern, dass Choleriker schon bei den geringsten Anlässen aus der Haut fahren. © rme/aerzteblatt.de

Also: Contenance statt mentaler Inkontinenz!

3 Kommentare

  1. Wutausbrüche würde ich generell unter oxidativem Stress einordnen. Menschen, die dazu neigen, sollten ihren Glutathion-Spiegel immer auf dem richtigen Level halten, denn dieses Molekül in unserem Körper sorgt nicht nur für die Entgiftung, sondern auch dafür, die Balance zwischen Stress und dessen Auswirkungen zu halten. Leider haben selbst Ärzte die therapeutische Wirkung von Glutathion noch immer nicht erkannt, obwohl es darüber bereits über 60 000 Studien gibt…

    • Eine nette Killerphrase, oxidativer Stress, aber ohne jeglichen untersuchten Hintergrund. Mit dem Wissen über Ihren Blog, bei dem ich mir erlaubt habe, die Adresse zu korrigieren, verstehe ich allerdings Ihre Fokussierung auf Glutathion.

      Zunächst: Es gibt keine 60.000 dedizierte Studien über Glutathion. Die wohl ausführlichste ist die Penn State Studie, mit dem Fokus der Wirksamkeit der oralen Gabe von Glutathion.

      Im übrigen verweise ich auf den PSIRAM– und den Wikipedia-Artikel:

      Wird GSH oral verabreicht, so ist es wirkungslos. Aufgrund seiner antioxidativen Wirkung wird Glutathion als Nahrungsergänzungsmittel verkauft. Der therapeutische Nutzen von über die Nahrung zugeführtem Glutathion wurde im April 2013 durch eine Studie des Penn State College eindeutig belegt. Parenterale Zufuhr erhöht den GSH-Spiegel in den Zellen. Ein potentieller gesundheitlicher Nutzen Glutathions, beispielsweise als Anti-Krebsmittel oder als Mittel in der Altershemmung, muss noch wissenschaftlich in klinischen Studien nachgewiesen werden.

      Eine Stimulierung der Glutathionproduktion in der Leber durch Gabe von Acetylcystein (als Cysteindonor) ist fraglich und mit möglichen gesundheitlichen Folgen verbunden wie ein Gutachten der EFSA zeigt.

      Als umstrittenes „Krebsmittel“ erlangte Glutathion in einem als Mischung mit Anthocyanen unter dem Namen Recancostat comp. verkauften Präparat Mitte der 1990er Jahre Berühmtheit.

  2. Wenn ich mir die Konfidenzintervalle anscheue, ist die Aussage “bei einem Zehnjahres­ausgangsrisiko von 20 Prozent könnten es 657 zusätzliche Ereignisse auf 10.000 Perso­nenjahre sein.” mehr als gewagt und gaukelt eine Genauigkeit vor, die nicht gegeben ist. Die realistischere Angabe “100 bis 1000” würde aber wohl weniger Beachtung finden….

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