KUNST: Redzep Memisevic

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Manche Menschen hinterließen Spuren in meinem Leben, und dazu gehörten eindeutig meine Kunstlehrer. Nicht, weil ich künstlerisch so begabt bin, sondern weil sie mir eine Welt zeigten, die mir sonst verschlossen geblieben wäre.

Der eine war Waldmar Kögler, 1977 leider verstorben, immer sehr streng, aber immer sehr freundlich, manchmal etwas unheimlich, weißhaarig, mit gebrochener, aber fester Stimme. Ich erinnere mich an Buntpapier, Scriptol, schmutzige Hände. Und entwickelte einen eigenen Stil, mit einer phänomenalen Ergebnisorientiertheit, alles sah am Ende irgendwie aus wie eine Nacktamöbe. Begabt war ich nun wirklich nicht.

Der andere ist Redzep Memisevic. Geboren 1937 in Belgrad, 1961-1967 Studium an der Kunstakademie in Belgrad, Abschluss des Studiums als Meisterschüler mit einer staatlichen Auszeichnung, anschliessend ein zweijähriger Aufenthalt an der Kunstakademie in Düsseldorf bei Professor Karl-Otto Götz als Stipendiat des Deutschen Akademischen Austauschdienstes. Mitglied des BBK-OWL, des Lippischen Künstlerbundes und Gründungsmitglied der Künstlervereinigung “Das Fachwerk”. Zahlreiche Einzel- und Gruppenausstellungen im In- und Ausland.

Machte damals großen Eindruck auf mich durch echte handfeste Fähigkeiten, und das kam so:

Einer meiner mitpubertierenden Mitschüler sagt ihm im Unterricht, dass er nach Knoblauch stinke, den ersten Reflex bekämpfend besann Herr Memisevic sich darauf, ihm die Argumente nicht rechts und links an die Wange zu schleudern, sondern das auf die sportliche Art und Weise zu klären: Armdrücken. Das wird ein Spaß, dachten wir uns, ist doch der Jugo nur 1,60 groß, und der Knoblauchsprecher immerhin der angesagte Bodybuilder/Frauenheld in unserer Klasse. Den ganzen nächsten Tag lief der Held dann mit einem nach Schmerz und Entbehrung aussehendem Gesicht herum, scheint doch etwas auf dem Kasten zu haben, dieser Jugo. Bestimmt Kraftsportler, heimlich, wenn keiner zuschaut?

Zum zweiten Mal machte er in einer anderen Beziehung Eindruck auf mich. Es stellte sich also heraus, dass er wirklich Kraftsportler war, er warf mit Damen, Türmen und Pferden nur so um sich, mähte die Bauern um, die Kalaschnikow-Variante und Sizilianische Angriffe sind ihm allgegenwärtig – was ich aber erst später erfuhr, als ich begann, ernsthafter Schachspielen zu wollen, und mal bei Caissa vorbeischaute. Ah, den kannte ich doch. Bei Caissa ist er bis heute geblieben, und bei den letzten Stadtmeisterschaften landete er auf Platz 6.

Beim Schach zeigte ich übrigens eine noch geringere Eignung als bei der Kunst – Fragen nach der Karriere hier erübrigen sich, bitte.

Ein drittes Mal kamen wir über die Künstlervereinigung »Das Fachwerk« zusammen, einer im Mai 1978 in Bad Salzuflen gegründeten Gruppe von 19 Künstlerinnen und Künstlern. Dort wollte ich zusammen mit meinem Freund Andreas “Anatol” Dettmar bei den Fotografen ein wenig mitmischen – mitgemischt haben wir aber hauptsächlich bei der Sanierung des Fachwerkhauses, und zwar den Zement :-)

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Und der vierte Kontakt war vor einem halben Jahr auf Facebook, mit ein paar Gesprächen, Anrufen und Kommentaren. Gestern hat mir Herr Memisevic eine Zeitung geschickt, die toshiya, das Magazin für Karate, Kampfkunst und Kultur (bitte sofort hier abbonieren!), und wer steht da auf Seite 16? Richtig :-)

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Es folgt ein Interview mit diesem jungen Mann, der im zarten Alter von 72 Jahren mit dem Karate angefangen hat – und ich dachte, mit 52 Kendo anfangen sei schon eine Leistung.

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Hier ein paar Ölbilder:

Und hier ein paar Akt-Quarelle :-)

Hut ab, Chapeau, Hommage und Reverenz – was immer Ihnen passt, lieber Herr Memisevic.

Danke für das Du – aber ich bleibe beim respektvollen Sie.

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