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Wer kennt sie nicht: Die mit Menschenrechts-, Sozial- und Solidaritätspreisen ausgezeichneten Männer und Frauen, meistens ehrenamtlich engagiert, für Obdachlose, Asylwerber, arme Kinder. Wer kennt sie nicht: Die Medienberichte sonder Zahl, über die modernen Robin Hoods, die Kleidersammler, Essensspender und Tafelbetreiber. Wer kennt sie nicht: Die Festakte, die Ordensverleihungen und Festschriften, wenn sich wieder einmal eine Person besonders hervorgetan hat und ihr „soziales Gewissen“ gezeigt hat, dem Staat, den Parteien, dem System quasi vormacht, wie es geht. Und ja, alles davon ist wohl unersetzlich. Die sozial handelnden Menschen, das Reden darüber, das Ritual der Preisverleihung. Was wäre Österreich, was wäre Salzburg ohne die gefeierten sozialen Helden?

Obwohl: Was wäre Österreich, was wäre Salzburg ohne Sozialstaat, ohne den die Sozialgesetze vollziehenden Beamten, ohne im Hintergrund wirkende Sozialarbeiterinnen, ohne den auch nach Jahren nach wie vor bemühten Arbeitsmarktvermittler? Klar, der Staat und die Bürokratie können kalt, unbarmherzig und machtversessen sein, zynisch, leistungsverweigernd und herablassend. Und dennoch gibt es sie, die stillen Helden. Jene, die ganz einfach ihren Job machen, und manches Mal sogar ein bisschen mehr, mit Engagement, mit Empathie, mit Herzblut. Jene Beamten also, die dafür Sorge tragen, dass arme Familien ihre Mindestsicherung rechtzeitig ausbezahlt bekommen. Der Sozialberater in der Wohnungslosenhilfe, der trotz mangelnder Perspektiven als Ansprechpartner da ist, zuhörend, aufklärend, ein bisschen Hoffnung machend? Die Jugendamtsmitarbeiterin, die klärend, helfend und um Lösung ringend Familien aus dem gröbsten Schlamassel befreit?

Ja, klar, über einen Menschenrechtspreis für einen Vollzugsbeamten berichten wohl die wenigsten Medien. Und kaum ein Preisverleihungskomitee käme wohl auf die Ideen, einer Mitarbeiterin der Jungendhilfe einen Orden umzuhängen, weil sie ein Kind aus einer Familien genommen hat. Nur: Was wären die Menschenrechte, die Solidarität, der gesellschaftliche Zusammenhalt ohne all diese „Verwalter“? Eben. Auch wenn sie keiner kennt.

Kommentar in der Straßenzeitung Apropos 3/2017

 

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