Imperten: Die kompetent inkompetente Bildungselite

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Ein Gastbeitrag von Dr. Edmund Berndt

Imperten sind das bzw. ein Gegenteil von Experten. Ihre besondere Kompetenz ist es, Nichtswissen authentisch zu kommunizieren. Imperten haben sich vom Wissensballast befreit. Das Fehlen von Bildung, Wissen und Fachwissen ist daher kein Mangel, sondern die Voraussetzung für Erfolg der Imperten in der Praxis. Nichtswissen ist praxisgerechte Bildung. Imperten sind die leibhaftige Bildungsreform.

Schon geringes Wissen und Fachwissen der alten Schule, in welcher Form auch immer, verleitet nämlich unweigerlich zum Nachdenken. Eklatante Leistungsminderung droht. Zuviel Wissen erhöht die Irrtumswahrscheinlichkeit. Denken und Grübeln ist Kompetenz der Experten von gestern. Das hat sie überfordert, sie irrten daher ständig und scheiterten oft genug. Imperten hingegen, die kompetentesten Nichtswisser, irren nie. Sie lösen alle Probleme praktisch, und das unfehlbar und sofort. So gilt es z.B. in der Werbebranche oder im Wellnessgeschäft nicht Fakten darzulegen sondern Illusionen zu erzeugen und zu bedienen und das kann eben nur gelingen, wenn Wissen und Denken die Phantasie nicht beschränken. Die moderne heile Welt entsteht durch visionäres Werbegeschwafel.

Mit ihrem totalen Überblick zählen die Imperten zu den erfolgreichen und gesuchten Praktikern in der Marketing-, Kommunikations- u. Informationsbranche. Sie verstricken sich nicht mehr in Details wie Dilettanten und Experten. Sie erarbeiten keine theoretischen Publikationen mit „wenn“ und „aber“, sondern produzieren nach Auftrag paradiesische Scheinwelten. Das wollen die Konsumenten kaufen. In den aprenaturwissenschaftlichen Zeiten der Postmoderne garantieren die Imperten die Expansion profitabler Nonsenssegmente. Das belebt die Volkswirtschaft. Blödsinn ist, was nicht vermarktet werden kann.

Ihr überzeugendes Nichtswissen beziehen die Imperten aus dem Lesen von Gratiszeitungen, Werbeaussendungen, Wellnessbroschüren, Pressemeldungen, Interviews, Nachrichtensendungen, Kommerzinfos und dergleichen mehr. Aus diesem Meinungsmüll kopieren sie kompetent, weil eben nicht von Bildung und Wissen behindert, beliebte und beeindruckende Phrasen und Schlagwörter und recyceln diese zu Illusionen und Pseudoerklärungen. Dieses Meinungsrecycling von verbreiterter Unbildung und allgemeinem Nichtswissen ist keine Einfallslosigkeit sondern eine weitere Kompetenz der Imperten. Aus Meinungsmüll wird Bildung „neu“ kreiert. Das ist sehr beliebt. Jeder erkennt seine geliebten Meinungen wieder. Jeder Blödsinn wird, wenn er oft genug kopiert wurde, zur allgemein anerkannten Erkenntnis. Es gibt keinen Unsinn mehr. Buchstäblich alles ist logisch.

Die Imperten passen ihre ganze Persönlichkeit den Zielgruppen an. Auf deren Geschmack und Erwartungen sind Kleidung, Sprache, Frisur, Bräunungsgrad, Brille, Bildhintergrund, Tonuntermalung etc. abgestimmt. Der Auftritt ist das alles entscheidende Qualitätskriterium. Wenn die Krawatte authentisch wirkt, sind Wahlerfolg und Millionenumsatz gewiss. In den Medien sind Imperten als Moderatoren in Gesundheits-, Beratungs- oder Unterhaltungsformaten besonders gefragt. Leistung und Qualität der Imperten ist über jeden Zweifel erhaben. Viele Imperten wie z.B. Hademar Bankhofer, Willy Dungl wurden auch mit dem Titel eines Professors h.c. von höchster Stelle ausgezeichnet. Maria Treben mauserte sich zur Fachimpertin in Sachen Heilkräuter. Ein finanziell höchst erfolgreichster Imperte war
Josef Grander mit seinem „Wasserbelebungsgerät“ Er wurde für diesen aus dem esoterischen Milieu stammenden Humbug, der in vielen Spitäler Standard ist, mit dem Verdienstkreuz für Wissenschaft und Forschung ausgezeichnet.

Nachrichtensprecher werden durch jahrelanges Vorlesen von Presseagenturmeldungen automatisch zu Imperten. Für diese angelernten Imperten ist es nur ein kleiner Schritt zur Belehrungskompetenz. Aus Imperten werden Chefimperten vom Dienst. Sie signalisieren dann mit besorgtem bis wichtigtuerischen Mienenspiel, dass sie nichts eben besser verstehen als alle anderen, dass sie also kompetent inkompetent sind. Ihre Impertisen behalten die Exponenten der neuen Bildungselite nicht für sich. Diese sind der obligatorische Meinungssenf in Randbemerkungen und Abschlusskommentaren.

In der Politik sind die Imperten erst recht unersetzlich. Einige kämpfen wie Gladiatoren im alten Rom in diversen Wahlkampfarenen um den ideologischen Sieg. Dazu schlagen sie mit heimtückischen Nichtswissen auf einander ein. Andere Imperten verbellen wie Kettenhunde jeden in ihrer Nähe ausgiebig mit ihrem Nichtswissen. Wissen, Bildung und dergleichen mehr sind weder Schaukämpfe noch zum Anbellen geeignet. Nichtswissen ist wie die Null in der Mathematik Es präsentiert sich harmlos, scheint nicht wichtig also vernachlässigbar zu sein, aber wie die Null nullt, so nichtet, vernichtet das Nichtswissen. Nichtswissen ist unschlagbar.

Wer das nicht wahrhaben will, dem begegnen die Imperten mit einer weiteren Kompetenz, der Impertinenz.

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