Familie: “Das war eine totale Freude”

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Diesen Artikel über meine Schwiegereltern habe ich heute in der SN entdeckt:

Nach dem Zweiten Weltkrieg war der Hunger in Österreich groß. Die Amerikaner sandten jedoch bald CARE-Pakete mit Essen. Roswitha und Harald Engländer erinnern sich noch gern daran.

Die Hilfsorganisation CARE Österreich sucht anlässlich 70 Jahre CARE-Paket in Salzburg Zeitzeugen – wie es Roswitha und Harald Engländer sind. NEUMAYR/SB Bild: SN/neumayr/sb

Die Hilfsorganisation CARE Österreich sucht anlässlich 70 Jahre CARE-Paket in Salzburg Zeitzeugen – wie es Roswitha und Harald Engländer sind. NEUMAYR/SB Bild: SN/neumayr/sb

Roswitha Engländer war 16 Jahre alt, als ihre Familie zum ersten Mal in den Genuss eines CARE-Pakets kam. “Meine Mutter hatte in den 1920er-Jahren einen amerikanischen Studienkollegen, er hieß Mr. Beale. Er hat nach dem Krieg mit uns Kontakt aufgenommen und uns dann diese Pakete geschickt”, erzählt sie.

Mit den darin enthaltenen Lebensmitteln kam eine Familie für etwa einen Monat über die Runden. Der Nährwert eines CARE-Pakets entsprach etwa 40.000 Kilokalorien und hatte einen Wert von 15 US-Dollar.

“Man hat das als großes Glück empfunden, wenn ein CARE-Paket gekommen ist, das war eine totale Freude”, beschreibt Roswitha Engländer. In besonders guter Erinnerung sind ihr die Konserven mit “Sliced Bacon”: “Das war für mich konzentrierte Nahrung. Man war ja ausgehungert.”

Vor genau 70 Jahren, ab Juli 1946, wurde eine Million dieser Pakete nach Österreich geliefert, um den Hunger zu lindern. 22 US-amerikanische Wohlfahrtsorganisationen hatten sich als “Cooperative for American Remittances to Europe” (CARE) zusammengeschlossen, um die Hilfsaktion zu koordinieren.

Bei den ersten Paketen handelte es sich um Kriegsrationen der US-Armee, die für jeweils zehn Soldaten gedacht waren. Sie enthielten neben Speck auch Zucker, Kaffee, Trockenmilch, Kekse oder Plum Pudding.

Harald Engländers Familie lebte in Salzburg und kam in den Genuss der CARE-Pakete, weil der Bruder des Vaters in die USA geflüchtet war und sie von dort nach Salzburg schickte. “Man bekam eine Benachrichtigung und musste das Paket abholen.”

Ab März 1947 waren die Kriegsrationen aufgebraucht und CARE stellte den Inhalt der Pakete selbst zusammen. Damit konnten auch die Bedürfnisse von Familien besser berücksichtigt werden.

Harald und Roswitha Engländer erinnern sich an manche kulinarische Überraschung: “Gesalzene Butter, das kannten wir ja nicht. Oder Schweinefleisch in Rosinensauce. Aber mit Hunger hat man es gern gegessen.”

Harald Engländer studierte ab 1948 in Wien und nutzte dort vor allem das Trocken-Ei-Pulver. “Ich habe mir fast jeden Abend eine Eierspeis damit gemacht. Damals hat man von Cholesterin noch nichts gewusst”, sagt er schelmisch.

Ein ebenfalls sehr begehrter Inhalt der CARE-Pakete waren die Chesterfield-Zigaretten. “Das war eine Ersatzwährung. Auch bei den Bauernhöfen hat man sie gut gegen Nahrungsmittel tauschen können”, sagen sie.

Später gab es auch Pakete für Familien mit Säuglingen oder Kleinkindern oder mit Wolle, Stoffen oder Leder. Die zugeschnittenen alten Lederreste hat Harald Engländer noch aufbewahrt: “Die waren für Schuhe gedacht”, erklärt er.

Die Hilfsorganisation CARE Österreich sucht anlässlich 70 Jahre CARE-Paket in Salzburg Zeitzeugen – wie es Roswitha und Harald Engländer sind. NEUMAYR/SB Bild: SN/neumayr/sb

Aus der spontanen Hilfsaktion in der Nachkriegszeit entstand im Laufe der Zeit eine der größten privaten Hilfsorganisationen weltweit: CARE International. Sie ist politisch und religiös unabhängig und in über 40 Krisen- und Kriegsgebieten aktiv. Abhängig von den dringendsten Bedürfnissen enthalten die CARE-Pakete heutzutage Hygieneartikel, Kleidung, Decken, Wasserreinigungstabletten, Nahrung, Werkzeug, Saatgut oder Bargeld.

Anlässlich 70 Jahre CARE-Paket werden Zeitzeugen gesucht, die ihre Erinnerungen teilen möchten (siehe links).

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