Depression ist Scheisse

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Hier meine Übersetzung des Artikels ‘Just Snap Out of It’ – Four Hidden Truths About Depression von Jamie Flexman aus The Huffington Post. Es gibt auch eine deutsche Übersetzung davon, aber, naja…

Jamie Flexman ist Gitarrenlehrer, Schriftsteller, Fan des Unkonventionellen und Autor des hervorragenden Blogs Psycholocrazy.


Depression ist Scheisse

Sie ist der Vampir unter den Krankheiten. Sie versteckt sich in aller Öffentlichkeit, um dann zuschlagen zu können. Man hört sie nicht kommen, sie ist zu schnell und zu klug. Sie senkt Ihre Zähne in die Psyche, zerstört Vertrauen, Energie und Selbstwertgefühl.

Und man bist machtlos, das zu verhindern, einmal gepackt, hört man auf, die Person zu sein, die man früher einmal war.

Man wurde ‘gedreht’. Der erste Instinkt ist, das geheim zu halten, mit niemandem kann man darüber sprechen. Man kämpft mit der Anpassung, weil sich die Grundbedürfnisse geändert haben. Die Dinge, die man früher gerne hatte, die werden mit dem notwendigsten ersetzt, was sich im Innersten der Komfortzone befindet. Das Helle macht zerstört, das Düstere wird zur Spielwiese. Man möchte mit jemandem darüber sprechen, doch das ist unendlich schwierig, also leidet man still weiter. Die Anderen werden es einfach nicht verstehen.

Es ist an der Zeit, diese Ignoranz abzustreifen und ein paar Wahrheiten darüber zu verbreiten, was Depression wirklich ist, wie sie sich auswirkt und was dagegen zu tun ist.

Die vier größten Mythen über die Depression:

1. Depression ist ja nur eine geistige Krankheit, deswegen nichts Ernstes

Eines der wichtigsten Probleme, dem man begegnet, ist das Stigma, zuzugeben, Hilfe zu brauchen. Diese Krankheit ist versteckt, gefangen in den Tiefen der Psyche. Man kann sie nicht sehen, nicht hören und den einzige Hinweis auf die Existenz gibt es, wenn man sich entscheidet, darüber zu sprechen.

Jemand mit einem gebrochenen Bein bekommt Mitgefühl, weil der Schmerz nachempfindbar ist, Krebsleidende bekommen Mitgefühl, weil die Angst vor dem Tod nachfühlbar ist, sogar jemand mit einer laufenden Nase bekommt Mitgefühl, weil wir alle den Rotz hassen.

Und Depression? Sie ist ein Gespenst. Die Menschen behaupten zwar, dass sie existiere, doch wo ist ein Beweis? Es ändert nichts, ob die Ursache dafür ein lebensveränderndes Ereignis, ein Ungleichgewicht von Chemikalien oder einfach ein Gemütszustand war, wir sind alle nur physisch, jede einzelne Zelle in unserem Körper ist physisch.

Doch würden jemand mit einer Herzkrankheit hören, dass seine Krankheit nicht real sei, weil sie nur ein Organ betrifft? Warum wird eine Krankheit des Gehirns anders behandelt? Depression tötet eine Menge Menschen, warum kann man das nicht ernst nehmen?

2. Menschen mit Depression können sich nicht zusammenreißen

Jeder mit Depressionen hat diese unsterblichen Worte schon gehört. Das als frustierend zu bezeichnen, das ist viel zu sanft, solche Behauptungen machen nicht nur wütend, sondern sie sind ärgerlich. Jemand, der so etwas sagt, der hat absolut keine Ahnung, was man durchmacht. Und – noch bedenklicher- das stimmt auch nicht.

Es ist, als wenn man unter Wasser versucht loszurennen, so stark man es auch versucht, es wird immer eine Grenze geben, über die man nicht hinauskommt. Das ist vernichtend, es verzehrt, es ist einfach da, und es gibt nichts, was man dagegen tun kannt.

Natürlich kann man Hilfe suchen, Medikamente benutzen und an seiner Mentalität arbeiten, doch das braucht alles Zeit und Bemühungen, es geht nicht ad hoc.

Ich erinnere mich an einen Morgen, an dem es sich anfühlte, als wäre ich in einem elektrischen Kraftfeld eingeschlossen, jeder Versuch, mich zu bewegen war mit so etwas wie einem bildlichen Schock für mein System. Ich saß auf meinem Bett, wollte mich bewegen, aber ich konnte nicht.

Ich konnte mich natürlich bewegen, aber ich konnte zu keinem der Ziele hinbewegen, die ich mir für diesen Tag gesetzt hatte. Ich saß für gefühlte Stunden da, so, als säße ich unter Wasser, das ganze Leben erschien unendlich langsam.

“Komm schon, nur den Laptop öffnen, und dann einfach mit dem Schreiben beginnen, Du kannst es schaffen.”

Es schien so einfach, und das war es eigentlich auch. Aber es war nicht einfach, es war eines der schwierigsten Dinge, die ich je erledigt hatte, diesen einfachen Akt der Öffnung meines Laptops. Etwas, das die meisten Menschen für selbstverständlich halten, war jenseits meiner Fähigkeiten. Ich konnte mich einfach nicht bewegen. Also ging ich zurück ins Bett.

Manche Menschen erleben das 24 Stunden pro Tag, sieben Tage die Woche. Das aus dem Bett aufstehen ist eine größere Aufgabe, als einen Marathon zu laufen.

Reiß Dich zusammen? Ich reiße mich zusammen, wenn Sie heute eine Herkulesaufgabe erfüllen.

3. Man kannt nicht depressiv sein, wenn es nichts gibt, über das man traurig sein kann

Auch das ist schwierig in die Köpfe der Menschen zu bekommen. Wenn man noch nie eine Depression erlebt hat, dann ist es leicht, davon auszugehen, dass es dafür immer einen Anlass im Leben geben muss. Reiche und erfolgreiche Menschen sind eben glücklich, und die Armen suhlen sich in Selbstmitleid und tausend zerplatzen Träumen. Doch das ist nicht immer der Fall.

Studien haben gezeigt, dass die Glückslevel auf der ganzen Welt ziemlich gleich sind. Freude und Trauer sind flüchtige Emotionen und man kommt mit der Zeit immer wieder auf den Basislevel zurück. Wenn aber die Basis die Depression ist, dann kann das ganze Geld der Welt daran nichts ändern. Depression ist eine Krankheit, und deshalb erfordert sie Behandlung und Hilfe, und kein Geld.

Depression unterscheidet nicht. Sie kümmert sich nicht um Vermögen oder welches Auto in der Garage steht. Leistungen und Erfolge bedeuten ihr absolut nichts, wenn sie zuschlägt, dann tut sie das erbarmungslos. Wie der Terminator, ein bisschen subtiler, und mit weniger Leder.

Was ist die Standardantwort in der Öffentlichkeit, wenn ein Filmstar oder ein Athlet zugibt, mit  Depressionen zu kämpfen? “Lächerlich, wie kann jemand mit so viel Geld auf dem Konto depressiv sein? Komm mal wieder runter, es gibt Millionen Menschen, die gerne tauschen würden.”

Dieser Gipfel der Ignoranz ist schon erstaunlich. Wenn Sie dies lesen, und schon mal etwas Ähnliches geäußert haben, dann geben Sie sich bitte eine Ohrfeige.

Wir sind alle Menschen, deswegen sind wir alle verletzlich.

4. Nur ein Arzt kann bestätigen, dass man unter Depressionen leidet

Das habe ich in der Vergangenheit auch schon ein paarmal gehört.

“Woher weißt Du, dass Du depressiv bist? Warst Du bei einem Arzt? ” Verstehen Sie mich nicht falsch, Ärzte sind im medizinischen Witz ziemlich gut. Nachdem sie ihre ganze Jugend in der Universität eingesperrt waren, erwarte ich von ihnen schon einge Dinge in Bezug auf den menschlichen Körper zu kennen, doch bis zum heutigen Tag warte ich noch auf jemanden mit der Fähigkeit, ein fMRT allein mit der Kraft seines Verstandes zu machen.

Sicherlich haben Ärzte ein Blatt Papier mit Symptomen für die Depression, einen Stift, um die Symptome anzukreuzen, aber ob sie damit auch Depressionen richtig diagnostizieren können oder nicht , das basiert weitgehend auf Vermutungen.

Wissen Sie was? Die Person, die sich so mies fühlt, die muss das nicht erraten, sie weiß, wie sie sich fühlt. sie ist einfach da, und quält, Stunde für Stunde, Tag für Tag.

Ein Arzt ist für die Medikation zuständig, aber man brauchst ihn nicht, um sich sagen zu lassen, wie man sich fühlt. Du sagst dem Arzt, wie Du Dich fühlst. Du sagt dem Arzt, dass Du Depressionen hast. Nicht andersrum.

Ändere Dein Gedanken, dann änderst Du die Welt

Menschen, die unter Depressionen leiden, die leiden in der Stille, weil sie Spott fürchten, Angst haben, ihren Arbeitsplatz, ihre Freunde und ihre Würde zu verlieren. Wenn man nicht wirklich versteht, was Depression ist, dann ist man einer der Glücklichen.

Jemand aus Deinem Bekanntenkreis leidet gerade jetzt an Depression. Dass ist eine schwere Krankheit, und sollte sich Dir jemand anvertrauen wollen, so biete Hilfe und Unterstützung an. Du kannst buchstäblich sein Leben zu retten.

 

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