25.03.2013
von Andreas Gradert
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FOTO: Knut Wolfgang Maron – Ein Leben

via zone-b.info

Was bleibt, wenn ein Mensch die Welt der Lebenden verlässt?

Individuelle Erinnerungen, Bilder von der Erscheinung dieses Menschen, vielleicht ein Erbe oder ein paar Habseligkeiten als Gabe an die Nachkommenden. Obwohl das Sterben zum Leben gehört wie das Geborenwerden, neigt die moderne, funktional ausdifferenzierte Gesellschaft zur Verdrängung des Bewusstseins von der Sterblichkeit und der Anwesenheit Sterbender, weist ihnen spezielle Bereiche zu, die der alltäglichen Erfahrung nicht mehr zugänglich sind. Gern überlässt man das Feld den Spezialisten – Altenpflegern, Ärzten, Psychologen und Geistlichen. Anders der Essener Fotograf Knut Wolfgang Maron (*1954). Er führte im Haus seiner 82jährigen Mutter fotografisch Tagebuch über die letzte Phase ihres Lebens; teilte mit ihr „eine wunderbare und nicht benennbare Intimität“, wie er es selbst formuliert. Es entstanden berührende Bilder nicht nur von der Mutter in ihrer rapide zunehmenden körperlichen Zerbrechlichkeit, sondern auch von der sichtbaren Ordnung, die ihr Leben prägte. Ein halbe Ewigkeit bewohnte die Mutter ein Haus, schuf in diesem Raum ein Bezugssystem, das ihren Alltag strukturierte und nun – in der Perspektive des Fotografen – symbolisch auch die innere Ordnung dieser Persönlichkeit zum Ausdruck bringt. Das Leben im Gleichmaß alltäglicher Verrichtungen, unterstützt von Gegenständen, denen der lange und intensive Gebrauch in die Oberflächen eingeschrieben wurde. Hinter all diesen Dingen scheint indirekt das Bild der Mutter auf, wird aber auch die Nähe spürbar, die der Sohn sucht und die Trauer des Abschiednehmens. Nichts Spektakuläres erscheint da im Bild, doch in der Intensität der fotografischen Einfühlung in ein anderes Leben, das sich sichtbar seinem Ende zuneigt, ein künstlerisches Ereignis, das zu Recht mehrfach mit Preisen gewürdigt wurde und nun in der Auswahl einer Ausstellung auf Reisen geht. Die Kunsthalle Erfurt kooperiert für diese Ausstellung mit dem Kunstmuseum Mülheim an der Ruhr und dem Staatlichen Museum Schwerin. Weiter →

27.06.2012
von Andreas Gradert
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